Monday, June 6

Licht

In manchen Momenten, sie kommen nur sehr selten vor, lässt uns das Universum an vergangene Zeiten zurückdenken. Ganz plötzlich, wenn wir es gar nicht erwarten, kommen wir uns vor, als würden 
wir zurückversetzt; weil das Licht stimmt, und die Atmosphäre sich mit etwas füllt, das wir nicht beschreiben können. Wir erinnern uns an kurze Momente unseres Lebens, bei denen wir nicht einmal dachten, dass wir sie uns eingeprägt hatten. Aber vielleicht erinnern wir uns auch einfach nur an ein Gefühl. Ein längst vergangenes, von unbeschwerten Tagen. Tagen, an denen wir tief ein- und ausatmen konnten, weil da nichts war, was uns hätte belasten können. Das Universum will uns daran erinnern, dass es sie noch gibt, diese Momente. Tage. Nicht nur in unserer Erinnerung.

Das Glück ist so schwer für uns greifbar, denn wir wollen immer alles verstehen, wollen Erklärungen für all das was passiert. 

Die Zufriedenheit ist so schwer für uns greifbar, denn wir wollen mehr, können nicht genug bekommen denn es geht schließlich immer noch besser.

Dabei verstecken sich diese Dinge vielleicht in den kleinsten Begebenheiten.
Vielleicht besteht das Glück darin, Tauben aus dem Fenster beim Vorbeifahren zu beobachten, die in einer solch melancholischen Bewegung über die Dächer der Stadt fliegen.

Oder in dem Klang von klassischer Musik an Bahnhöfen, die die Menschen für eine Sekunde aufhorchen lässt, ehe sie ihren Terminen nachgehen, wieder dem Alltag verfallen, dem größten Dieb der Zeit.

Oder der Himmel im Sommer, der uns jeden Abend vorm Schlafengehen das größte Geschenk macht, sich hüllt, in alle erdenklichen Farben, in sein bestes Gewand. Doch wir sehen es nicht, weil er ja immer da ist. Und was immer da ist, ist selbstverständlich, für uns nicht mehr sichtbar.

Vielleicht müssen wir viel öfter stehenbleiben, beobachten, uns die Zeit nehmen, die ja eigentlich uns gehört und doch immer zu fehlen scheint.

Vielleicht, ja vielleicht, müssen wir uns diese Momente einprägen, dürfen sie nicht loslassen, müssen sie aufbewahren wie einen kostbaren Schatz, denn das ist er doch, oder nicht? 

Oh, würden wir nur nicht immer weiter wollen, würden wir nur kurz verharren um sagen zu können: Das hier ist es. Und es reicht aus.